Infos für Jugendliche

## Wie läuft Therapie eigentlich ab?

Vielleicht überlegst du gerade, ob Therapie etwas für dich sein könnte. Vielleicht fühlst du dich überfordert, traurig, gestresst, verwirrt oder einfach „nicht wie sonst“. Vielleicht weißt du auch gar nicht genau, was los ist – nur, dass es gerade schwer ist.
Wenn du noch nie mit Psychotherapie zu tun hattest, ist es völlig normal, viele Fragen zu haben. Hier findest du Antworten auf die wichtigsten davon.


## Ist Therapie nur für „unnormale“ oder „verrückte“ Menschen?


Ganz klar: Nein.
Etwa ein Drittel aller Menschen erlebt im Laufe des Lebens eine psychische Erkrankung, die behandlungsbedürftig ist. Das ist extrem häufig – und nichts, wofür man sich schämen müsste.

Das Wort „Störung“ bedeutet nicht, dass jemand „gestört“ ist. Es heißt nur, dass etwas im Leben so sehr stört, dass es den Alltag, das Denken oder das Fühlen beeinträchtigt – und dass Psychotherapie helfen kann, wieder mehr Freiheit und Lebensqualität zu bekommen.


## Was du in der Therapie sagst, bleibt geheim

Psychotherapeut:innen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.
Das bedeutet: Alles, was du erzählst, bleibt unter uns. Niemand darf es weitererzählen – auch nicht an Eltern, Schule, Freunde oder andere Personen.

Wenn Gespräche mit Bezugspersonen sinnvoll sind, wird vorher mit dir besprochen, was gesagt werden darf und was nicht. Du entscheidest mit.


## Kann ich auch ohne meine Eltern kommen?

Ab 15 Jahren dürfen Jugendliche in der Regel selbst entscheiden, ob sie eine Psychotherapie beginnen möchten – auch ohne dass die Eltern davon wissen müssen.

In der Praxis ist das manchmal organisatorisch etwas schwierig (z. B. wegen Terminen oder Post von der Krankenkasse). Aber wenn du ausdrücklich möchtest, dass deine Eltern nichts erfahren, kannst du uns jederzeit darauf ansprechen. Wir suchen dann gemeinsam nach einer Lösung, die für dich sicher und machbar ist.


## Muss ich schon wissen, was mit mir los ist?

Nö.
Viele kommen in die erste Stunde und sagen: „Ich weiß nicht, was das hier ist, aber irgendwas stimmt nicht.“
Das reicht völlig.

Oft helfen schon ein oder zwei Gespräche, um herauszufinden, was dich belastet und was du brauchst.


## Wie läuft eine erste Stunde ab?

Die erste Stunde ist ein Kennenlernen.
Du kannst erzählen, was dich beschäftigt – musst aber nicht. Du kannst Fragen stellen, Erwartungen klären oder einfach schauen, ob du dich wohlfühlst.
Es geht nicht darum, sofort „alles auf den Tisch zu legen“, sondern darum, herauszufinden, ob wir gut zusammenarbeiten können.


## Was passiert in der Therapie?

Therapie bedeutet nicht nur reden.
Je nach Thema können Übungen, kreative Methoden, Rollenspiele, Gedankenexperimente oder kleine Aufgaben für den Alltag dazugehören.
Es ist völlig normal, am Anfang nervös zu sein – das geht fast allen so.

Und wichtig: Wenn du das Gefühl hast, dass es nicht passt, darfst du die Therapeutin oder den Therapeuten wechseln. Das ist dein gutes Recht.


## Was ist das Ziel von Therapie?


Das Ziel ist immer: dass du irgendwann wieder ohne Therapie klarkommst. Du bekommst die Zeit, die du brauchst – aber Therapie ist nicht für immer.

Therapie ist freiwillig.
Sie richtet sich nach deinen Bedürfnissen, nicht nach den Wünschen anderer.
Eltern, Schule oder andere können Hinweise geben, aber im Mittelpunkt steht immer, was dir hilft, psychisch gesund zu sein.


## Warum gibt es vorher eine Diagnostik?


Bevor Therapie starten kann, findet eine Diagnostik statt. Dabei wird geschaut, was genau los ist – oder ob vielleicht gar keine Diagnose vorliegt.

Wenn eine Diagnose gestellt wird, wird die Therapie bei der Krankenkasse beantragt.
Eine Diagnose in der Krankenakte ist erstmal nichts Schlimmes. Sie kann aber in seltenen Fällen später Fragen aufwerfen, z. B. bei bestimmten Versicherungen oder Berufen wie Polizei oder Bundeswehr.
Darüber wirst du natürlich im persönlichen Gespräch aufgeklärt.


## Wie oft findet Therapie statt?

In der Regel einmal pro Woche zu einer festen Zeit.
Das bedeutet: Du entscheidest dich bewusst dafür, dir regelmäßig Zeit für dich selbst zu nehmen.

Therapie funktioniert nur, wenn du mitmachst.
Und ja: Sie kann anstrengend sein.
Therapie wird nicht mit dir gemacht - Du machst Therapie!


## Was kostet Therapie?


Für die meisten Jugendlichen ist Psychotherapie kostenlos.
Wenn du gesetzlich versichert bist, übernimmt deine Krankenkasse die Kosten – so wie beim Besuch in einer kinderärztlichen oder hausärztlichen Praxis.

Nur in einem Fall kann eine Rechnung auf dich oder deine Eltern zukommen:
wenn du wiederholt unentschuldigt fehlst.
Dann müssen wir Therapeut:innen die Stunde trotzdem freihalten und können niemand anderen einladen – und dafür gibt es ein Ausfallhonorar.


## Ist Therapie ein sicherer Ort?

Ja.
Therapie ist ein Raum, in dem du nicht bewertet wirst.
Alle Gefühle sind erlaubt – auch die, die du sonst vielleicht lieber versteckst.
Es ist okay, wenn du am Anfang vorsichtig bist oder nicht sofort Vertrauen hast.
Therapie soll dir helfen, dich selbst besser zu verstehen und neue Wege auszuprobieren.


## Kann Therapie auch Spaß machen?

Auf jeden Fall.
Therapie kann anstrengend sein, aber sie kann auch leicht, kreativ, befreiend oder sogar lustig sein. Viele erleben in der Therapie zum ersten Mal, wie gut es tut, verstanden zu werden, Fortschritte zu machen und sich selbst besser kennenzulernen.